(01.10.2018) Frischer Wind im Klingelbeutel

Die Digitalisierung macht vor der Kirchentür nicht halt. Bargeld ist auf dem Rückzug. Deshalb hat nun die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) einen Vorstoß gemacht und den ersten digitalen Klingelbeutel vorgestellt, der Spenden per Bankkarte ermöglichen soll. Auch die KD-Bank arbeitet an diesem Projekt mit. Wir sprachen mit Ideengeber und IT-Referats-Leiter Fabian Kraetschmer.

Fabian Kraetschmer ist Leiter des IT-Referats des Konsistoriums in Berlin und hat den digitalen Klingelbeutel zum Patent angemeldet.

Herr Kraetschmer, Sie haben den ersten digitalen Klingelbeutel patentieren lassen. Wie kam es dazu? Fabian Kraetschmer: Es gab für die Entwicklung und Patentierung 2 Treiber: einerseits die zunehmende Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Gesellschaft. Anderseits die zunehmenden Schwierigkeiten, Bargeld bei Banken abzugeben. Gerade im ländlichen Bereich gibt es erhebliche Herausforderungen: Lange Wege zu den Annahmestellen, Fahrkosten, Einzahlungsgebühren und Verwaltung – all das schmälert jeden Kollektenbetrag empfindlich.

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Wie funktioniert der digitale Klingelbeutel? Welche Technik setzen Sie ein? Der digitale Klingelbeutel ist wie ein herkömmlicher Klingelbeutel gestaltet. So bleibt es weiterhin möglich, Bargeld in den Beutel zu geben. Zusätzlich erlaubt der Klingelbeutel die bargeldlose Kollekte per Girocard oder Kreditkarte, ohne die Eingabe einer PIN. Die Technik ist in das Gehäuse integriert und arbeitet kontaktlos, die Nutzung ist intuitiv. Damit fügt sich der digitale Klingelbeutel nahtlos in die bestehende Liturgie ein.

Bislang handelt es sich um einen Prototypen, wie soll es weitergehen? Der digitale Klingelbeutel ist der erste Schritt eines umfassenden Konzepts der digitalen Kollekte, das bewusst so gestaltet wurde, dass es künftig für ganz Deutschland nutzbar ist. Die derzeitigen Pläne sehen vor, dass wir in der Adventszeit einige Geräte in einer ersten Testphase einsetzen.

Gibt es weitere Ideen zum digitalen Spendensammeln? Weitere Funktionen sind die Entwicklung einer bundesweiten Kollekten-App und Stationen für bargeldlose Spenden im Ausgangsbereich der Kirchen.

Wie sieht die Zukunft der digitalen Spenden aus?

Konrad Matyba ist Direktor Region Nord-Ost und betreut kirchliche Einrichtungen sowie Unternehmen der Sozialwirtschaft. Er ist Mitglied im Arbeitskreis für die Entwicklung digitaler Spendenmöglichkeiten von Kirchen und Kirchenbanken.

Konrad Matyba hat eine Antwort auf die Frage. „Wir sehen, dass das Thema digitale Spendenmöglichkeiten weiter Fahrt aufnimmt und auch in der Presse auf große Resonanz stößt. Als Bank für Kirche und Diakonie sind wir an dem Projekt der EKBO sowie einem parallelen Projekt der Kirchenbanken beteiligt. 2 weitere Projekte, bei denen es ebenfalls um das digitale Spenden geht, sind bei uns schon in der Praxisphase: zum einen der digitale Opferstock, der an einem beliebigen Ort in Kirchen platziert werden kann. Gottesdienst und Kirchenbesucher können ebenfalls ganz einfach kontaktlos und ohne PIN-Eingabe bis zu 25 Euro spenden. Zum anderen das Online-Spendenportal KD-onlineSpende, über das kleine und mittlere Spendenorganisationen einfach und kostengünstig Spenden sammeln können.“ Bereits 60 Organisationen, so Matyba weiter, präsentierten dort gut 180 Projekte. „Ganz wichtig für den Erfolg aller Projekte ist in unseren Augen, unter anderem die Pfarrer/-innen und Fundraiser/-innen in die Projektentwicklung einzubeziehen und Praxistests durchzuführen.“ Der präsentierte Klingelbeutel sei ein vielversprechender Prototyp. „Nach erfolgreichen Tests werden wir den Klingelbeutel aktiv anbieten“, versichert Konrad Matyba.