(28.05.2015) Neue Aufsichtsratsvorsitzende

Marlehn Thieme ist erste Frau an der Spitze der Bank

Im Februar hat der Aufsichtsrat der Bank Marlehn Thieme zur neuen Vorsitzenden gewählt. Sie folgt damit auf Dr. Martin Grimm, der das Amt seit 2011 innehatte. Frau Thieme vereint eine kirchliche, bankfachliche und juristische Expertise auf sich, wie sie im Interview überzeugend erläutert.

Marlehn Thieme ist seit Februar Vorsitzende des Aufsichtsrats der Bank für Kirche und Diakonie. Sie hat viele Jahre bei der Deutschen Bank, u. a. als Direktorin im Bereich Corporate Social Responsibility und als Mitarbeitendenvertreterin im Aufsichtsrat gearbeitet. Als Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung berät sie die Bundesregierung. Ihre Überzeugung: „Nachhaltigkeit erfordert Entscheidungen – nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt.” Marlehn Thieme ist Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Perspektiven: Frau Thieme, Sie sind Mitglied des Rates der EKD und Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung. Wie haben Sie die Bank für Kirche und Diakonie bislang wahrgenommen?
Marlehn Thieme: Sie ist im Wortsinne Bank für Kirche und Diakonie und für mich einer der Promotoren für nachhaltige Geldanlagen mit gleichzeitigem Blick auf Solidität und Substanz. Die Bank folgt nicht einfach einem Mainstream. Vielmehr muss die Geschäftspolitik für den Kunden erfolgreich sein und einen Mehrwert schaffen.

Seit Februar sind Sie Aufsichtsratsvorsitzende und somit erste Frau an der Spitze der Bank für Kirche und Diakonie. Mit welcher Motivation haben Sie diese ehrenamtliche Aufgabe übernommen?
Auch in meinem kirchlichen Engagement möchte ich meine eigene Professionalität einbringen, das was ich kann und was mir Spaß macht. Dies sind die Juristerei und seit 27 Jahren das Bankgeschäft. Ich traue mir viele Dinge zu, die gefordert sind. Außerdem sind wir ein gutes Team im Aufsichtsrat, das viele Stärken vereint. Wir sind Finanzleute, Diakoniker und Kirchenverantwortliche, damit alle Interessen der Stakeholder in ein erfolgreiches Geschäftsmodell eingebracht werden können.

Was halten Sie von Quotenregelungen für Frauen im Aufsichtsrat?
Ich war eine Anhängerin der Flexi-Quote, weil sich so kompetente Frauen besser durchsetzen können. Es gibt genügend hochqualifizierte Frauen. Aber aus einer starren Quotierung heraus muss eine Frau aus meiner eigenen Erfahrung immer besser sein und sich besonders bewähren.

Und in der Bank für Kirche und Diakonie?
Das Verhältnis der Kooperation empfinde ich hier als ein ganz selbstverständliches. Dies liegt sicher an Frau Badura und Frau Pollach, den beiden „gestandenen“ Frauen im Vorstand. Ich wünsche, dass wir den Frauenanteil im Aufsichtsrat erhöhen. Eine Kirchenbank hat vielfältige Stakeholder als Mitglieder, Kunden, Kirchen und diakonische Einrichtungen, deren Interessen wir gerecht werden müssen. Im gegenwärtig schwierigen finanziellen Umfeld brauchen wir sicherlich noch mehr externen Finanzsachverstand, ich denke hierfür können wir auch Frauen für uns gewinnen.

Was gefällt Ihnen besonders gut an der Bank?
Die kundenorientierten Finanzierungsangebote und die hohe Beratungskompetenz sind als Alleinstellungsmerkmal deutlich erkennbar. Mir gefällt, dass sie die Fragen von ethisch-nachhaltigem Wirtschaften konsequent, aber unideologisch verfolgt. Die Mitarbeitenden habe ich nicht nur sehr kompetent, sondern auch kirchenzugewandt kennengelernt. Im Umgang mit den sehr weltlichen Herausforderungen auf dem Finanzmarkt haben sie einen klaren und strategischen Blick auf die Aufgaben. Die Forderung, als Kirchenbank Vorbild zu sein, ist gegenwärtig.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Es geht zunächst darum, Vertrauen bei Kunden und Teilhabern zu gewinnen. Der Aufsichtsrat steht voll und ganz hinter dem Vorstand mit seinem Vorsitzenden, Dr. Ekkehard Thiesler. Das ist mir ganz wichtig. Ziel ist, die Bank in der schwierigen Finanzmarktsituation mit einem sehr weitsichtigen und strategisch gerüsteten Geschäftsmodell weiter so aufzustellen, dass wir auch in Zukunft ein verlässlicher Partner von Kirche und Diakonie sind.

Interview als Pdf-Datei

Das Interview ist im Magazin "Perspektiven" der Bank für Kirche und Diakonie, Ausgabe 1 | 2015, erschienen.