(02.05.2014) "Als Kirchenbank immer im Konflikt mit der Bibel" - Artikel aus der FAZ

Die KD-Bank muss Investments und Ethik vereinen

B.K. /St. DÜSSELDORF, 27. April. Vor einigen Wochen hat Ekkehard Thiesler in der Duisburger Salvatorkirche auf der Kanzel gestanden und im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Duisburger Akzente“ eine Rede gehalten. Das Thema des Vorstandsvorsitzenden der Bank für Kirche und Diakonie eG (KD-Bank) stammte aus der berühmten Bibelstelle im Matthäusevangelium: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Thieslers persönliches Fazit mag dem widersprechen. Der ganzheitliche Verzicht auf das gewinnbringende Einsetzen von Kapital in der heutigen globalen Gesellschaft und Wirtschaftsordnung ist nach seiner Auffassung nicht möglich.

Als Kirchenbank habe man sich dem verantwortungsbewussten Umgang mit Geld verschrieben. Dazu gehöre auch das Zahlen von Zinsen für Anlagebeträge und das Berechnen von Zinsen für Darlehen. Die in Dortmund ansässige Genossenschaftsbank ist mit der Grundeinstellung, dass Kirche und Rendite durchaus vereinbar sein können, in den zurückliegenden Jahren gut gefahren. „Wir sammeln das Geld insbesondere der evangelischen Kirche, um es vor allem als Finanzierungen für soziale Projekte in der Diakonie anzulegen. Wir nennen das den kirchlich-diakonischen Geldkreislauf“, erläutert er im Gespräch mit der F.A.Z.

So finanziert die Bank im Rahmen ihres genossenschaftlichen Auftrags beispielsweise Krankenhäuser, Hospize, Kindergärten, Einrichtungen für Senioren oder Menschen mit Einschränkungen. Zu den Projekten, die derzeit für Wachstum sorgen, gehören Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen im Bereich der stationären Altenpflege oder Investitionen, mit denen sich kirchliche Krankenhäuser dem erhöhten Wettbewerbs- und Kostendruck gegenüber den privaten oder kommunalen Häusern stellen wollen. Einer der Großkunden ist die Kaiserswerther Diakonie, die innerhalb von fünf Jahren 125 Millionen Euro in ihr Florence-Nightingale-Krankenhaus — die zweitgrößte Klinik in Düsseldorf — und in einen Ausbildungscampus investieren will. Bei solchen Darlehns-Größenordnungen nimmt die KD-Bank als Konsortialführer Partner mit ins Boot, in diesem Fall neben anderen Kreditgenossenschaften auch die Stadtsparkasse Düsseldorf.

Im kirchlichen Bereich lag der Schwerpunkt zuletzt bei der Finanzierung von Sanierungen vermieteter Immobilien oder der Schaffung neuer Kindergartenplätze, wobei die KD-Bank eine der größten Vermittler von KfW-Geldern ist. Neben den rund 7000 institutionellen Kunden aus dem Bereich der Kirche und der Kirchengemeinden, der Krankenhäuser und Altenhilfeeinrichtungen sowie der großen Spendenorganisationen betreut das Institut mehr als 30 000 Privatkunden. „Hier sind wir offen für jeden, der unsere christlichen Werte teilt“, erläutert Thiesler. Wenn Kreditanträge zum Beispiel für den Wohnungskauf abgelehnt werden, reagieren Kunden gelegentlich enttäuscht darüber, dass eine kirchliche Bank so hart sein kann. Aber für Thiesler sind auch solche Entscheidungen von Verantwortungsbewusstsein geleitet, nämlich indem die Bank versucht, möglichen Notlagen vorzubeugen. „Wenn es am finanziellen Überblick hapert, müssen wir als Fachleute darauf achten, dass sich unsere Kunden nicht übernehmen“, erklärt er. Auch in ihrer Kapitalanlagepolitik setzt das Geldhaus gemeinsam mit Union Investment, der Fondsgesellschaft im genossenschaftlichen Kreditsektor, auf Nachhaltigkeit und Ethik. Energieunternehmen mit Atomstromproduktion oder Textilkonzerne, bei deren Lieferanten aus Billiglohnländern die Arbeitsbedingungen zweifelhaft sind, kommen als Anlage nicht in Betracht.

Mit einer Bilanzsumme von zuletzt 4,8 Milliarden Euro zählt die KD-Bank zu den zwanzig größten Primärbanken im genossenschaftlichen Kreditsektor. Als Gesellschafter der kleineren der beiden genossenschaftlichen Zentralbanken, der WGZ-Bank in Düsseldorf, ist sie mit einigem Abstand auf die führende Apotheker- und Ärztebank die viertgrößte Primärbank.

Ihre Kundeneinlagen erreichten im Geschäftsjahr 2013 mit rund 4,48 Milliarden Euro ebenso einen neuen Höchststand wie die Kreditausleihungen mit rund 1,4 Milliarden Euro. Die mit gut 200 Mitarbeitern sehr schlank aufgestellte Bank arbeitet mit einer niedrigen Kosten-Aufwand-Relation von zuletzt etwas mehr als 30 Prozent. Von den Rating-Agenturen erhält sie Bestwerte. Damit wiederum kann sich die KD-Bank preiswerter als die meisten Wettbewerber Geld beschaffen. Diesen Vorteil gibt sie nach Angaben von Thiesler auch in den Konditionen an ihre Kunden weiter. Dank der guten Ertragskraft kann die kirchliche Bank nicht nur ihre Genossen mit einer Dividende von 7 Prozent bedienen, sondern zugleich das Eigenkapital weiter stärken. Damit fühlt sich das Management gut gerüstet für die verschärften Eigenkapitalanforderungen.

Die Wurzeln der Bank gehen auf verschiedene Gründungen in den 1920er Jahren in Dresden, Magdeburg und Münster und 1953 in Duisburg zurück. Nach diversen Fusionen der Vorgängerinstitute schloss sich KD-Bank im Jahr 2010 mit der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft in Sachsen zur größten evangelischen Kirchenbank Deutschlands zusammen.

 

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 28.04.2014, Seite 19