(27.08.2014) "Da will ich mitmachen"

Seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag kümmert sich Norbert Blüm weniger um Renten, dafür umso mehr um die Zukunft von Kindern weltweit. Er unterstützt die Kindernothilfe, unter anderem als Vorsitzender der Kindernothilfe-Stiftung, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert.

15-jähriges Bestehen der Kindernothilfe-Stiftung
Schon seit ihrer Gründung vor 15 Jahren greift die Kindernothilfe-Stiftung auf das Know-how der Bank für Kirche und Diakonie zurück, wenn es um Finanzen geht. Seit diesem Jahr wirkt Jörg Moltrecht, Vorstand Bank für Kirche und Diakonie, im Verwaltungsrat der Kindernothilfe mit. Wir gratulieren zum Jubiläum und danken für die langjährige Treue!

Interview mit Dr. Norbert Blüm

Perspektiven: Herr Blüm, wie kam es zu Ihrem Engagement für die Kindernothilfe und deren Stiftung?

Norbert Blüm: Als ich den Bundestag 1998 verließ, sprach mich an Ort und Stelle noch Dr. Werner Hoerschelmann an, der damalige Chef der Kindernothilfe. Er fragte: „Wir sind dabei, eine Stiftung zu gründen, wollen Sie den Vorsitz des Aufsichtsgremiums übernehmen?“ Und ich sagte ohne Zögern: „Ja, ich will.“

Perspektiven: Wie kam es zu dem schnellen Entschluss?

Blüm: Mir war die Kindernothilfe bekannt – vor allem als Organisation, die seit 1959 engagierte und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit leistet und da ansetzt, wo sie am wirksamsten ist: bei den Kindern. Mir war klar: ,Da will ich mitmachen’. Und die Idee, die Arbeit durch eine Stiftung zu stützen, fand ich ebenfalls großartig.

Perspektiven: Weshalb?

Blüm: Die Stiftung gibt der Kindernothilfe ein verlässliches Fundament und eine sichere Zukunft: Mit ihr kann sie unabhängig vom Auf und Ab der Spenden kontinuierliche und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit leisten. Denn die Vermögen und Erbschaften, die engagierte Menschen ins Stiftungskapital hineingeben, bleiben dort dauerhaft erhalten, während die regelmäßigen Zinsen ausgewählte Projekte finanzieren. Das ist wahrlich ein Engagement für die Ewigkeit.

Perspektiven: Wie hat sich die Stiftung bis heute entwickelt?

Blüm: Sehr prächtig. Wir begannen mit einem Stiftungskapital von 500.000 Mark, heute verfügt die Stiftung durch Treuhand- und Stiftungsvermögen über 23,2 Millionen Euro, die alle nach ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten angelegt sind. 2,85 Millionen Euro wurden bereits an Kindernothilfe-Projekte ausgeschüttet. Vor allem für Kinder in besonders schwierigen Lebenssituationen wie etwa Straßenkinder.

Perspektiven: Wie viele Menschen engagieren sich mit der Stiftung?

Blüm: Rund 650. Jeder Einzelne ist wichtig, und ich schätze den Kontakt zu ihnen sehr. Alle befassen sich sehr tiefgehend mit zwei Dingen, die heutzutage leider immer weniger Menschen zu interessieren scheinen: Sinn und Werte im Leben. Und genau diese schaffen und erhalten die Stifter mit ihrem Engagement.

Perspektiven: Woher kommt Ihre große Sympathie für den Stiftergedanken?

Blüm: Vielleicht auch ein bisschen daher, dass ich früh im Leben selbst die Wirkung des Stiftens erfahren habe.

Perspektiven: Aha?!

Blüm: Dass ich Studium und Dissertation ohne Existenzsorgen meistern konnte, habe ich vor allem zwei Stifterstipendien zu verdanken. Das nahm damals eine große Last von mir. Ohne die Unterstützung hätte dieser akademische Lebensabschnitt wohl um einiges länger gedauert. Dann hätte ich nebenher noch mehr arbeiten müssen, als ich es ohnehin schon tat.

Perspektiven: War diese Förderung für Sie lebensentscheidend?

Blüm:
Das nicht, ich wäre meinen Weg auch anderweitig weitergegangen, er wäre nur etwas schwieriger gewesen. Die Förderung, die indes die Kindernothilfe-Stiftung ermöglicht, kann aber in der Tat lebensentscheidend sein. Denn für Kinder in Not kann jeder richtig eingesetzte Euro einen riesigen Unterschied machen.

Das Interview ist im Magazin "Perspektiven" der Bank für Kirche und Diakonie, Ausgabe 2 | 2014 erschienen.