(27.01.2017) Job und Uni

Zwischen Vorlesung und Arbeitsplatz

Arbeiten oder studieren? „Warum nicht beides?“, dachte sich Fabian Esselborn und entschied sich nach Abschluss seiner Bankausbildung bei der Bank für Kirche und Diakonie für ein berufsbegleitendes Studium. Mit dieser Entscheidung ist der 22-jährige Trainee jedoch nicht alleine: Um den steigenden Anforderungen des Berufslebens standzuhalten, stellen sich immer mehr junge Menschen dieser doppelten Herausforderung.

„Berufsbegleitend studieren? Für mich die beste Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verknüpfen.“
Wie kann man sich ein berufsbegleitendes Studium vorstellen?

Fabian Esselborn: Ein berufsbegleitendes Studium ermöglicht Berufstätigen, neben dem Beruf zu studieren. Das Studium ist daher in der Regel so organisiert, dass die Berufstätigkeit weiterhin in Vollzeit ausgeübt werden kann. Somit finden die Vorlesungen entweder in der Woche abends oder am Wochenende statt. Grundsätzlich ist angedacht, dass man sich einen Großteil des Lehrstoffs in Form eines Selbststudiums aneignet.

Für welches Studium haben Sie sich entschieden?

Ich habe mich für das Bankfachwirt-Studium an der Frankfurt School of Finance & Management mit Vorlesungen am Wochenende entschieden. Der Bankfachwirt ist sehr breit angelegt und deckt zahlreiche Themen aus den Bereichen Betriebs- und Volkswirtschaft, Bankbetriebslehre und Recht ab und bietet eine Spezialisierung in den Bereichen Privatkunden-, Firmenkunden-, Versicherungs- und Immobiliengeschäft. Das Bankfachwirt-Studium erstreckt sich über vier Semester und dauert 22 Monate. Den Titel, den ich mit Abschluss des Studiums anstrebe, nennt sich „Bankfachwirt/in (Frankfurt School of Finance & Management)“. Mit der IHK-Prüfung habe ich zusätzlich die Option, den staatlich anerkannten Abschluss „Geprüfte/r Bankfachwirt/in“ zu erreichen. Aufgrund des inhaltlichen Bezugs zur Bank übernimmt die Bank für Kirche und Diakonie die Kosten für das Studium.

Wie geht es danach weiter?

Nach Abschluss des Fachwirts strebe ich den Bank-Betriebswirt an. Auch dieser lässt sich in Form eines dualen Studiums realisieren und hat eine Studiendauer von zwei Semestern. Anders als beim Fachwirt, der teilweise sehr ins Detail geht, bietet der Bankbetriebswirt einen Blick auf die gesamte Bank, sodass sich Zusammenhänge, beispielsweise im Bereich Gesamtbanksteuerung, besser nachvollziehen lassen.

In welchem Bereich sind Sie derzeit bei der Bank tätig?

Derzeit befinde ich mich im Team Treasury/Kundenwertpapiere. Dies ist Teil meines 24-monatigen Traineeprogramms, das mir die Bank für Kirche und Diakonie nach Abschluss meiner Bankausbildung angeboten hat. Anders als in der Ausbildung erhalte ich hier einen viel intensiveren Einblick in die einzelnen Fachabteilungen. Zudem trage ich Verantwortung, indem ich in den einzelnen Teams eine Arbeitsstelle komplett übernehme. Die weiteren Stationen bilden die Bereiche Diakonie Nord-West, Innenrevision und Kreditfolge. Dabei habe ich festgestellt, dass das Trainee-Programm toll mit dem berufsbegleitenden Studium harmoniert. Vieles, was auf dem Uni-Lehrplan steht, kenne ich – dank meines Trainee-Programms – bereits aus der Praxis. So hatte ich beispielsweise im Bereich „Jahresabschlussanalyse“ im Fach Betriebswirtschaft gegenüber meinen Mitstudenten einen klaren Vorteil.

Warum haben Sie sich gegen ein Vollzeitstudium entschieden?

In der Tat klingt ein Vollzeitstudium zunächst sehr reizvoll. In Anbetracht der vielen freien Zeit, die manche meiner Freunde im Vollzeitstudium haben, kann man schon mal neidisch werden. Dennoch bietet ein berufsbegleitendes Studium viele Vorteile, bei denen ein klassisches Studium – aus meiner Sicht – nicht mithalten kann. Die sinnvolle Verbindung von Theorie und Praxis steht dabei ganz vorn. Durch das berufsbegleitende Studium habe ich die Möglichkeit, in der Theorie Erlerntes direkt mit der Praxis zu verknüpfen. Viele Themen hat man auch schon in der Praxis gehört, sodass der Lernprozess viel leichter fällt. Auch die finanzielle Unabhängigkeit ist natürlich sehr reizvoll. Ich bin nicht auf Studentenjobs, die inhaltlich womöglich nichts mit meinem Studium zu tun haben, angewiesen. Und das Beste: Anonyme und überfüllte Hörsäle, wie man sie von vielen staatlichen Universitäten kennt, gibt es nicht. Stattdessen finden die Vorlesungen und Übungen in überschaubaren Kursgrößen statt. Das ermöglicht mir, mich aktiv einzubringen und bietet die Möglichkeit, gezielt Fragen zu stellen. Immer mehr Arbeitgeber erkennen, wie wertvoll Arbeitskräfte zukünftig sein können, die bereits während des Studiums Arbeitsabläufe im Unternehmen nicht nur kennenlernen, sondern verinnerlichen.  

Stehen Arbeits- und Privatleben noch im Einklang?

Ein berufsbegleitendes Studium ist sicher eine organisatorische Herausforderung. Natürlich muss ich im privaten Bereich ein paar Abstriche machen, aber auch das hält sich noch im Rahmen. So kann ich weiterhin meinem Hobby, dem Fußball, in meiner Freizeit nachkommen und auch das Torwarttraining für die C-Jugend, die ich betreue, kommt dabei nicht zu kurz.

Ist dieses Studium für jeden geeignet oder eher Typfrage?

In Anbetracht der hohen Eigeninitiative, die das berufsbegleitende Studium von einem abverlangt, eignet sich diese Studienart bestimmt nicht für jeden. Bei einem berufsbegleitenden Studium ist es umso wichtiger, strukturiert vorzugehen. Um Job, Uni und Privatleben gleichermaßen gerecht zu werden, helfe ich mir mit einem Zeitplan. Dieser hat sich in dem vergangenen Semester gut bewährt. Ich rate aber Interessierten, sich von dieser Studienart nicht abschrecken zu lassen. Zunächst ist es eine Umstellung, samstags zu den Vorlesungen zu erscheinen, aber daran gewöhnt man sich schneller als man denkt.