(24.03.2014) "Investieren und Gutes tun" in "Weltnah"

Interview im Spendermagazin "Weltnah" von Brot für die Welt

Interview mit Dr. Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender Bank für Kirche und Diakonie, und Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin Brot für die Welt, über Kriterien für ethisches Investment

Weltnah: Was war der Anlass, eigene Kriterien für ethisches Investment zu entwickeln?
Cornelia Füllkrug-Weitzel ― Wir propagieren seit Langem, dass fairere Weltwirtschaftsbeziehungen
einen mächtigen Entwicklungsbeitrag leisten könnten. Entsprechende politische Forderungen sind aber
weit weg vom Einzelnen. Mit dem Fairen Handel haben wir angefangen, einen Weg zu eröffnen, über diese Zusammenhänge nachzudenken und einen eigenen Beitrag zu leisten. Die Finanzkrise mit ihren gravierenden Folgen für Arme weltweit, hat viele aufgerüttelt: Wir sahen ein wachsendes Interesse an einer ethisch orientierten nachhaltigen Anlagepolitik »pro poor«. Daraus entstand die Idee für einen „fairen“ Investmentfonds. Seine – gemeinsam mit dem Südwind Institut entwickelten – Kriterien bilden die Werte des Konziliaren Prozesses ab. Der „FairWorldFonds“ hat seit 2010 mit seinem rasanten Erfolg bewiesen, dass Finanzprodukte mit ethischen Anforderungen einem Bedürfnis am Markt entsprechen.

Dr. Thiesler, was ist das Besondere an dem „FairWordFonds“?
Ekkehard Thiesler ― Immer mehr Menschen suchen Investitionsmöglichkeiten, die nachhaltige, entwicklungspolitische und ethische Gesichtspunkte berücksichtigen. Viele bisherige Fonds orientieren sich oftmals nur an den Renditechancen. Der Fonds unterliegt dagegen strengen Kriterien, die laufend von einer Expertengruppe, der auch Brot für die Welt angehört, überprüft und weiterentwickelt werden.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen?
CFW ― Es war und bleibt schwer, ausreichend Investitionsmöglichkeiten zu finden, die den strengen Anforderungen unseres Kriterienkatalogs standhalten. Die Herausgeber von Wertpapieren und Unternehmen müssen noch einiges in Richtung ökologischer und sozialer Standards tun. Auch sind große institutionelle Anleger – wie Kirche und Diakonie – gefragt, ihren direkten Einfluss als Investoren zu nutzen und den Dialog mit den Unternehmen zu suchen.

Was sind das für Menschen, die darin anlegen?
ET ― Diakonische Einrichtungen, Stiftungen oder Kirchengemeinden sind die Hauptgruppen. Vermehrt
investieren aber auch Privatpersonen, die langfristig denken, zum Beispiel Großeltern, die einen
Sparplan für ihre Enkel eröffnen.

Welche Unternehmen bildet der Fonds ab?
ET ― Wir unterstützen Firmen, die besonders ökologisch und sozial agieren und Vorbildfunktion
einnehmen. Zum Beispiel, indem sie Telekommunikationsstrukturen in Schwellen- und Entwicklungsländern anbieten und somit Zugang zu Information und Bildung ermöglichen, günstige Generika für Schwellen- und Entwicklungsländer zugänglich machen und somit die Behandlung von Krankheiten fördern, oder im Bereich Landwirtschaft arbeiten.

Was bringt die Zukunft?
CFW ― Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst rasant, die Auffassungen darüber, welche
Ansprüche eine „nachhaltige oder ethische“ Geldanlage erfüllen muss, klaffen aber weit auseinander.
Der Gesetzgeber ist gefragt, Transparenz und Qualitätsstandards zu schaffen. Das EU-Parlament plädiert für ein Siegel für nachhaltige Geldanlagen mit europaweit einheitlichen Standards.