(23.09.2015) Erben und vorsorgen

Anregungen für eine sichere Erbregelung

250 Milliarden Euro Vermögen werden in Deutschland Jahr für Jahr vererbt. Im Zweifel sorgt nur ein Testament dafür, dass der letzte Wille richtig berücksichtigt wird. Auch wenn es unbequem ist, sollte sich jeder zu Lebzeiten rechtzeitig um seinen Nachlass Gedanken machen.

Die gesetzliche Erbfolge

Wer aktiv seinen Nachlass gestaltet, hat meist mehrere Ziele im Blick: Unsicherheiten und Auseinandersetzungen zwischen den Erben vermeiden, die Versorgung bestimmter Personen, z. B. des Ehepartners, sicherstellen und Erbschaftsteuer sparen.

Liegen keine Regelungen vor, so greift die gesetzliche Erbfolge. Unser Schaubild verdeutlicht die Regelung des BGB. Grundsätzlich gilt, solange ein Verwandter der vorhergehenden Ordnung vorhanden ist, schließt er alle Verwandten nachfolgender Ordnungen von der Erbschaft aus. Der Ehegatte/eingetragene Lebenspartner hat eine Art Sonderstellung. Sind Erben der 1. Ordnung vorhanden, dann erhält der überlebende Ehepartner ein Viertel der Erbschaft; neben Verwandten der 2. Ordnung und neben Großeltern die Hälfte. Im Falle einer Zugewinngemeinschaft erhöht sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft als pauschaler Zugewinn.

Will man seinen Nachlass anders verteilen, eignet sich ein Testament oder ein Erbvertrag. Es sind jedoch zahlreiche Formvorschriften, gesetzliche Pflichtteile und steuerliche Fragen zu berücksichtigen. Manchmal scheitert der letzte Wille schon an kleineren Formfehlern.

Privates und öffentliches Testament

Ein selbst verfasstes, privates Testament ist komplett handschriftlich aufzusetzen. Unbedingt erforderlich sind auch Ort, Datum und Unterschrift. Um Missverständnisse bei nachträglichen Änderungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, das Testament ganz neu zu verfassen. Das Testament sollte natürlich gut aufbewahrt werden, bei einer Vertrauensperson oder beim Amtsgericht.

Der Notar

Für die Errichtung eines öffentlichen Testaments ist der Notar zuständig. Vor allem bei größeren Erbschaften bringt dies mehr Rechtssicherheit. Der Notar ist auch dafür da, den „wahren“ Willen des Testierenden zu ergründen. Da das notariell beurkundete Testament beim Amtsgericht hinterlegt wird, findet es sicher Berücksichtigung. Seit 2012 sorgt zusätzlich das Zentrale Testamentsregister in Berlin dafür, dass das zuständige Nachlassgericht im Todesfall informiert wird. Informationen rund ums Testament finden Sie bei der Bundesnotarkammer: www.testamentsregister.de

„Berliner Testament“

Es ist auch möglich, dass Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner ein gemeinschaftliches Testament errichten. Beliebt ist das „Berliner Testament“, bei dem sich die Ehepartner gegenseitig als Erben einsetzen. Stirbt der eine, bekommt der andere das ganze Vermögen. Kinder können höchstens ihren Pflichtteil einfordern. Ein Risiko besteht darin, dass spätere Änderungen nur möglich sind, wenn beide Eheleute zustimmen. Ist einer tot, geht das nicht mehr. Auch aus erbschaftsteuerlicher Sicht können sich Nachteile ergeben. Ebenso in Bezug auf eine mögliche Wiederverheiratung.

Testament oder Vermächtnis?

Wenn Sie jemandem nach dem Tod etwas zukommen lassen möchten, müssen Sie ihn nicht zwingend als Erben einsetzen. Man kann auch ein Vermächtnis aussetzen. Darunter versteht man die Einzelzuwendung eines Vermögensvorteils durch Testament an eine Person, ohne sie als Erben einzusetzen.


Den ausführlichen Artikel als Pdf-Datei finden Sie hier.

Der Artikel ist im Magazin "Perspektiven" der Bank für Kirche und Diakonie, Ausgabe 2 | 2015, erschienen.