(20.12.2017) Was ändert sich 2018?

Ob MiFID II-Einführung oder das neue Investmentsteuerreformgesetz: Erfahren Sie, was sich im neuen Jahr für Sie ändert.

Einführung von MiFID II

Anfang 2018 ändern sich die Vorschriften für die Anlageberatung. MiFID II fordert eine verbesserte Kosten- und Risikoaufklärung für Kunden in der Anlageberatung.

Zum 3. Januar 2018 tritt MiFID II in Kraft. MiFID II ist die Kurzbezeichnung für die EU-Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive“. Hauptziele sind Anlegerschutz und mehr Transparenz in den Märkten. Hintergrund und Auslöser dieser Neuregelungen war die Finanzkrise im Jahr 2008.

Was ändert sich für unsere Kunden?

  • Telefonaufzeichnung
    Die neue Richtlinie sieht die Aufzeichnung aller Kundengespräche vor, die sich auf die Beratung in Wertpapieren sowie die Annahme, Übermittlung und Ausführung von Wertpapieraufträgen beziehen. Die Speicherung der aufgezeichneten Gespräche erfolgt über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren.
  • Geeignetheitsprüfung
    Das bisherige Beratungsprotokoll wird zukünftig durch die sog. „Geeignetheitserklärung“ ersetzt. Diese umfasst folgende Punkte:
    - Kenntnisse und Erfahrungen des Kunden
    - Finanzielle Verhältnisse des Kunden
    - Anlageziele und Risikotoleranz des Kunden

    Während das Beratungsprotokoll den Beratungsprozess beschrieben hat, ist hingegen die Geeignetheitserklärung viel mehr ein Ergebnisprotokoll.
  • Höhere Transparenz der Kosten
    Die Regelungen von MiFID II schreiben auch eine fortlaufende Kostentransparenz vor. Hierzu soll eine jährliche Aufstellung der Kosten hinsichtlich der erworbenen Finanzinstrumente dem Kunden zur Verfügung gestellt werden.

    Bitte beachten Sie: Hierbei handelt es sich um exemplarische Änderungen. Über die wichtigsten Änderungen haben wir alle Depotkunden im Dezember 2017 per Post informiert.
Höhere Riester-Zulagen

Höhere Grundzulage: Die jährliche Grundzulage betrug bisher 154 Euro und erhöht sich ab dem 1. Januar 2018 auf 175 Euro. Hinzu kommen noch weitere staatliche Förderungen, die sich nach der jeweiligen Familiensituation und Anzahl der Kinder richten.

Freibetrag für Geringverdiener: Wer dauerhaft nur ein sehr geringes Einkommen hat, zahlt unter Umständen mit einem Riester- Vertrag drauf. Denn bleibt man mit seinen Einkünften im Alter unter dem Existenzminimum, wird die Rente zwar aufgestockt. Jedoch werden die Zahlungen aus der Riester-Rente hierbei mit eingerechnet. Aus diesem Grund soll es zukünftig Freibeträge für Riester-Leistungen in Höhe von bis zu 200 Euro geben.

Wichtig für Institutionen

Transaktionen in meldepflichtigen Wertpapieren sind ab dem 3. Januar 2018 nur noch mit dem Legal Entity Identifier (LEI) möglich. Das bedeutet, dass wir verpflichtet sind, Institutionen durch den LEI zu identifizieren, wenn wir für sie Geschäfte in Finanzinstrumenten, wie Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, ausführen.

LEI ist kostenpflichtig zu beantragen

Der LEI ist grundsätzlich nicht zeitlich befristet und nach Erstbeantragung zunächst 12 Monate nutzbar. Danach muss allerdings jährlich die Aktualität der Authentifizierungsdaten durch den LEI-Besitzer bestätigt werden, damit der LEI für ein weiteres Jahr seine Gültigkeit behält. Eine Ausnahme besteht für Investmentfondsanteile, die direkt über die Kapitalverwaltungsgesellschaft erworben oder zurückgegeben werden. Kunden, die ausschließlich solche Geschäfte betreiben, benötigen keinen LEI. Aber: Der Kauf von jeglichen anderen Wertpapieren, wie zum Beispiel Renten, ist erst nach Vorliegen des LEI möglich.

Die Kosten liegen für eine Erstbeantragung für ein Jahr bei rund 100 Euro, für die Verlängerung fallen 80 Euro an. Institutionelle Investoren können den LEI in Deutschland bei dem WM-Datenservice, bei GS1 Germany GmbH oder dem Bundesanzeiger beantragen:
www.wm-leiportal.org
www.lei.direct
www.leireg.de

Fondsbesteuerung

Zum 1. Januar 2018 wird die Investmentfondsbesteuerung einer grundlegenden Reform unterzogen.

Hauptgrund für die Einführung des sog. Investmentsteuerreformgesetzes (InvStRefG) ist die Sicherstellung der Europarechtskonformität: Derzeit werden Erträge aus- und inländischer Investmentsfonds unterschiedlich versteuert. Dies verträgt sich nicht mit dem Europarecht und musste geändert werden. Die Änderung wirkt sich auf Publikums- und Spezialfonds aus. Darüber hinaus möchte der Gesetzgeber ein Steuersystem schaffen, das einfacher und verständlicher sein soll.

Was ändert sich konkret für Publikumsfonds?
Bisher waren inländische Erträge, die der inländische Fonds vereinnahmt, auf Fondsebene grundsätzlich steuerfrei. Erst auf Anlegerebene wurde besteuert. Ab 1. Januar 2018 erfolgt die Besteuerung sowohl auf Anlegerebene als auch auf Fondsebene. Erträge aus inländischen Quellen (Dividenden, Mieterträge und Veräußerungsgewinne aus deutschen Immobilien) werden bereits im Fonds mit einer Körperschaftssteuer in Höhe von 15 % (bei Immobilienerträgen zzgl. Solidaritätszuschlag) belastet. Als Ausgleich für die Besteuerung auf Fondsebene wird ein Teil der Erträge auf Anlegerebene von der Besteuerung freigestellt. Für Anleger bedeutet das, dass der Fonds zunächst künftig weniger ausschüttet, weil er vorab 15 % Körperschaftssteuer abführen muss. Im Gegenzug bekommt der Anleger jedoch eine Teilfreistellung der Abgeltungssteuer. Beispielsweise bleiben bei Aktienfonds 30 % der Erträge steuerfrei, bei Immobilienfonds hingegen sind es 60 bis 80 %. Für Fonds, die sehr wenig ausschütten beziehungsweise vollständig thesaurieren, erfolgt beim Anleger durch die Vorabpauschale eine jährliche Mindestbesteuerung. Zum 1. Januar 2018 wird die Investmentfondsbesteuerung einer grundlegenden Reform unterzogen. Der Bestandsschutz für Kursgewinne aus Altanteilen (Kauf vor dem 1. Januar 2009) wird per 31. Dezember 2017 gekappt; Wertzuwächse bis zum 31. Dezember 2017 bleiben steuerfrei. Zum Ausgleich dazu gibt es einen (neuen) einmaligen Freibetrag von 100.000 Euro für jeden Steuerpflichtigen. Der Freibetrag gilt für Gewinne, soweit sie auf die Zeit ab dem 1. Januar 2018 entfallen.

Was ist zu tun?
Aufgrund des Wechsels der Fondsbesteuerung wird es in diesem Jahr ausnahmsweise für alle Fonds eine Thesaurierung zum Jahresende geben, die natürlich steuerpflichtig ist. Daher sollten Kunden zusammen mit ihrem Bankberater den Freistellungsauftrag überprüfen. Falls nötig, kann dieser noch bis Mitte Dezember geändert werden.

Neue Regelungen für Zahlungen

Ab dem 13. Januar 2018 ändern sich EU-weit die Rahmenbedingungen im Zahlungsverkehr. Betroffen sind alle Girokonten, insbesondere Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen.

Vor diesem Hintergrund haben wir unseren Kunden im November 2017 die geänderten Allgemeinen Geschäftsbedingungen und zahlungsverkehrsrelevanten Sonderbedingungen per Post bzw. im Online-Postkorb zugestellt.

Die wichtigsten Änderungen in Kürze

  • Haftungsgrenze sinkt
    Bei Missbrauch der girocard (früher: VRBankCard), der Kreditkarte oder des Online-Bankings haftet der Bankkunde für entstandene Schäden nur noch bis maximal 50 Euro, solange er die Karte oder sein Online-Konto noch nicht gesperrt hat. Bislang liegt die maximale Haftungsgrenze bei 150 Euro. Hingegen haftet der Bankkunde nicht für Schäden, die nach der Verlustanzeige eintreten. Die Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit sowie für Handeln in betrügerischer Absicht bleibt unberührt.
  • Geblockte Kartenzahlungen
    Viele Hotels und Autovermietungen blocken bei der Buchung einen bestimmten Betrag auf dem Kartenkonto des Kunden. Ab kommendem Jahr ist dies nur noch mit vorheriger Zustimmung des Karteninhabers möglich.
  • Drittanbieter im Online-Banking
    Kunden können im Online-Banking Drittanbieter, sog. Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdienste wie beispielsweise Sofortüberweisung, damit beauftragen, Zahlungen vorzunehmen oder Kontoinformationen abzurufen. Diese Dienstleister sind nun gesetzlich anerkannt und unterliegen der Bankenaufsicht.