(10.12.2015) Erben und vorsorgen

Teil 2: Rund ums Konto, vorsorgen mit Vollmachten & Co

Was macht die Bank im Todesfall? Der Tod eines geliebten Menschen stellt alles auf den Kopf. Bereits in der ersten Trauer müssen Hinterbliebene viel Organisatorisches erledigen. Geschäfte mit einer Bank machen da keine Ausnahme. Gut, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten vorgesorgt hat. Doch welche Vorkehrungen sind sinnvoll? Karin Sixter-Pilz, Vermögensbetreuerin mit langjähriger Erfahrung, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Karin Sixter-Pilz ist Vermögensbetreuerin in unserer Filiale Duisburg. Sie verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Privatkundenberatung.

Was empfehlen Sie Ihren Kunden grundsätzlich, um für den Todesfall Vorsorge zu treffen? Karin Sixter-Pilz: Auch wenn es nicht angenehm ist, raten wir dazu, sich mit der Frage zu beschäftigen, was nach dem Tod mit dem Vermögen passieren soll. Das Einholen von fachlichem Rat ist für viele Kundinnen und Kunden sinnvoll. Meine Erfahrung zeigt, dass sich so Unklarheiten und manchmal auch Ärger in der Familie am besten vermeiden lassen.

Sie sagen, dass auch die Bank frühzeitig in Überlegungen einbezogen werden soll. Warum? Ganz einfach, um für die Bankgeschäfte im Fall des Falles die Handlungsfähigkeit zu erhalten. Ist ein Erblasser beispielsweise alleiniger Kontoinhaber und es gibt keine Vollmachten, können auch nur legitimierte Erben – ggf. erst nach Wochen oder Monaten – verfügen. Eine Ausnahme bilden die Kosten einer „standesgemäßen“ Beerdigung, die die Erben zu tragen haben. Die Überweisung erfolgt allerdings auf freiwilliger Basis, eine rechtliche Verpflichtung hierzu besteht nicht.

Welche Möglichkeit gibt es hier, um rechtzeitig für den Todesfall vorzusorgen? Wir raten grundsätzlich, einer oder mehreren Vertrauenspersonen Kontovollmacht zu erteilen. Am besten eine Vollmacht, die ab sofort und auch über den Tod hinaus gilt. Diese kann nämlich auch in anderen Notlagen sinnvoll sein, wenn der Kunde z. B. durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht selbst handeln kann. So ist sichergestellt, dass weiterhin Geld verfügt und Überweisungen getätigt werden können. Eine Vollmacht zu einem Konto sagt übrigens nichts über ein späteres Erbe aus. Es kann auch einer Person Vollmacht erteilt werden, die nicht erbberechtigt ist. Der Bevollmächtigte ist auch gegenüber den Erben rechenschaftspflichtig über die Verfügungen, die er vorgenommen hat.

Oft liest man auch von Generalvollmachten. Wenn man diese erteilt, dann ist doch auch alles geregelt, oder?
Ja und nein. Eine Generalvollmacht ermächtigt eine oder auch mehrere Personen zur Vertretung in allen denkbaren Angelegenheiten. Sofern es keine Einschränkungen gibt, gilt die Generalvollmacht praktisch für alle rechtlich zulässigen Vertretungshandlungen.

Und in Bezug auf das Bankgeschäft? Im Gegensatz zur Kontovollmacht, die stets nur für ein bestimmtes Konto gilt, erstreckt sich die Generalvollmacht also üblicherweise auf sämtliche Konten. Sie reicht dabei weit über das Recht zur unmittelbaren Kontoführung hinaus. Der Generalbevollmächtigte darf beispielsweise auf Namen des Vollmachtgebers auch Kredite aufnehmen, Konten eröffnen oder löschen. Die Generalvollmacht gilt, sobald der Bevollmächtigte das Dokument empfangen hat. In der Praxis bedeutet das jedoch, dass die Bevollmächtigung bei jeder Handlung im Original vorliegen muss und der Bevollmächtigte sich ausweisen muss. Das ist insbesondere für die vielen Kunden, die mit uns telefonisch in Kontakt stehen, nicht praktikabel.

Was ist eine Vorsorgevollmacht, welche Wirkung hat diese?
Wenn eine Vollmacht vorsorglich für den Fall ausgestellt wird, dass man durch Unfall oder Krankheit in Zukunft handlungsunfähig wird und nicht mehr selbst in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen und den Willen zu erklären, spricht man von einer Vorsorgevollmacht. Im Vergleich zur Generalvollmacht besteht in der Praxis das zusätzliche Problem, dass wir prüfen müssen, ob die Voraussetzungen zum Inkrafttreten der Vollmacht eingetreten sind. Das kann sehr schwierig sein und zur unnötigen Hürde werden. Bei einer Kontovollmacht hingegen ist die Sache klar und der Bevollmächtigte kann sofort handeln.

Und die Erbregelung? Ist von der Vollmachtserteilung unabhängig zu betrachten. Regelt man nichts, gilt die gesetzliche Erbfolge. Wer abweichen möchte, sollte ein Testament oder einen Erbvertrag aufsetzen. Ob dazu ein Termin beim Notar oder Rechtsanwalt sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Bedarf ab. Wenn jemand beispielsweise sehr besondere Wünsche hat oder es sich um ein größeres Vermögen handelt, macht es oft Sinn, sich juristisch beraten zu lassen, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Auch Schenkungen zu Lebzeiten können eine gute Alternative sein, um Steuervorteile zu nutzen.

Was wollen Sie unseren Lesern noch mit auf den Weg geben? Ich rate unbedingt dazu, das Thema aktiv und frühzeitig anzugehen. Erfahrungsgemäß fühlen sich viele anschließend entlastet und freier. Man sollte das Gespräch mit den Angehörigen und mit der Bank suchen. Gern informieren wir, was beim Tod eines Kontoinhabers in der Bank passiert, wie man am besten vorsorgt und Unklarheiten vorbeugt.