(06.05.2016) Erben und vorsorgen

Teil 3: Was macht die Bank im Todesfall?

Unsere kleine Serie hat den Nerv der Kundinnen und Kunden getroffen. Zahlreiche Zuschriften und Anmeldungen für unsere Informationsveranstaltungen haben wir bekommen. Dafür herzlichen Dank! Die Fälle aus der Praxis greifen häufig gestellte Fragen auf und fassen die wichtigsten Fakten zusammen.

„Das darf doch nicht wahr sein“, denkt eine Tochter nach dem Tod des Vaters. Die Bank verweigert ihr als Erbin den Zugriff auf ihr Geld. Darf sie das?
Die Tochter hat neben den Beerdigungskosten auch noch offene Rechnungen ihres Vaters zu begleichen und würde das gern von seinem Konto tun. Die Antwort lautet: Die Bank darf das. Aber nur vorläufig. Tatsächlich wird direkt nach dem Tod das Konto der verstorbenen Person „eingefroren“. Überweisungen und Abhebungen sind dann nicht mehr möglich.

Das hat auch einen Grund: Die Bank muss sicherstellen, dass nur berechtigte Personen Zugriff auf das Konto haben. So wird vermieden, dass sich jeder beliebige Angehörige am Geld des Verstorbenen bedient. Also auch Personen, die gar nicht zu den Erben zählen. Viele Banken machen es aber möglich, zumindest die Beerdigungskosten direkt vom Konto des Verstorbenen zu bezahlen. Dazu reichen Sie als Angehöriger die entsprechenden Rechnungen im Original ein.

Anders wäre es, wenn auf die Tochter eine „Vollmacht über den Tod hinaus“ ausgestellt worden wäre.
In diesem Fall hätte sie Zugriff auf das Konto. Und das unabhängig davon, ob sie zu den Erben gehört oder nicht. Das Geld dürfen Bevollmächtigte dann allerdings nicht beliebig behalten und für sich verwenden. Sie sind nach Begleichung offener Rechnungen des Verstorbenen gegenüber den Erben zur Auszahlung verpflichtet. Da der Bevollmächtigte beispielsweise auch das Konto auflösen kann, sollten die Erben prüfen, ob die Vollmacht weiter bestehen soll.

Wie sieht es aus, wenn die Tochter ein Gemeinschaftskonto mit ihrem Vater geführt hätte?

Sie könnte grundsätzlich ohne weitere Nachweise über ein Konto oder Depot des Verstorbenen verfügen, wenn sie mit ihm ein Gemeinschaftskonto oder -depot mit Einzelverfügungsberechtigung geführt hätte (oder eine Bankvollmacht für den Todesfall oder über den Todesfall hinaus besäße s.o.). Meist ist die Umschreibung des Kontos auf den überlebenden Mitkontoinhaber möglich, entscheidend ist der Wortlaut des Kontovertrags.

Was ist mit laufenden Zahlungsverkehrsaufträgen?

Daueraufträge und SEPA-Lastschriftmandate enden grundsätzlich nicht mit dem Tod des Kontoinhabers. Ein Widerruf beziehungsweise eine Löschung muss gegebenenfalls vom Mitkontoinhaber, Erben oder Bevollmächtigten veranlasst werden. Daueraufträge, bei denen erkennbar ist, dass der Zweck mit dem Tod beendet ist, wie z.B. für Lebens-, Kranken- oder Sterbeversicherung, kann die Bank ohne Erklärung der Erben löschen; eine Verpflichtung dazu besteht allerdings nicht. Das gleiche gilt für Lastschriftmandate. Damit Sie sich rasch einen Überblick verschaffen und entscheiden können, erstellen Banken Ihnen auf Wunsch eine aktuelle Übersicht aller Daueraufträge und SEPA-Lastschriftmandate. Je eher Sie Daueraufträge und SEPA-Lastschriftmandate widerrufen, desto weniger müssen Sie sich um die Rückerstattung zu viel gezahlter Beträge kümmern.

Wie kann sich ein Erbe ausweisen?
Das geschieht üblicherweise durch einen Erbschein, den das Nachlassgericht für die Erben ausstellt. Hat der Verstorbene ein Testament hinterlassen, genügt dieses zusammen mit der Eröffnungsniederschrift als Nachweis. Erst damit bekommt der Erbe Zugriff auf die Konten und Depots des Verstorbenen.

Mehrere Erben können nur gemeinschaftlich verfügen. Das müssen sie einstimmig tun. So wird vermieden, dass ein einziger Erbe verfügt und die anderen leer ausgehen.

Erlischt das Bankgeheimnis im Todesfall?
Alle Banken sind grundsätzlich gesetzlich verpflichtet, die zum Nachlass gehörenden Vermögenswerte innerhalb eines Monats ab Kenntnis vom Nachlass dem für die Erbschaftsteuer zuständigen Finanzamt mitzuteilen. Voraussetzung ist, dass das Guthaben des Verstorbenen 5.000 Euro übersteigt, eine Saldierung mit Verbindlichkeiten des Kunden ist nicht zulässig.

Wenn der Kunde ein Schließfach unterhält, muss die Meldung immer – unabhängig von der Höhe des Guthabens – erfolgen.

Wann ist eine Bankberatung sinnvoll?
Im Grunde jederzeit, wenn Sie Informationen benötigen und Sicherheit gewinnen möchten. Ihre Beraterin oder Ihr Berater prüft mit Ihnen Ihre individuelle Situation und gibt Handlungsempfehlungen. Auch die Beratung durch einen Anwalt oder Notar ist meist sinnvoll.

 

Der Artikel ist im Magazin "Perspektiven" der Bank für Kirche und Diakonie, Ausgabe 1 | 2016, erschienen.