(06.05.2015) Der Traum von den eigenen vier Wänden

Interview mit Frank Stoßberg

Was die Geldanleger ärgert, ist für Immobilieninteressenten ein wahrer Segen: Die Zinsen in Deutschland sind so niedrig wie noch nie. Der ideale Zeitpunkt für alle, die von den eigenen vier Wänden träumen.

Frank Stoßberg, Baufinanzierungsspezialist und Gruppenleiter des Teams Beratung und Service in Duisburg

Perspektiven: Herr Stoßberg, Sie sind Baufinanzierungsexperte bei der Bank für Kirche und Diakonie. Derzeit träumen viele Bürger von einem Eigenheim oder einer Immobilie als Geldanlage. Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen Immobilienkauf?
Stoßberg:
Durch die Finanzmarktkrise ist eine eigene Immobilie aus zweierlei Sicht sehr interessant. Sie gilt zum einen als krisensichere und inflationsgeschützte Anlage, als sogenanntes „Betongeld“, und eignet sich als eine gute Alternative zur Altersvorsorge. Zum anderen ist der Kauf einer Immobilie beim derzeitigen Niedrigzinsniveau deutlich leichter zu realisieren.

Baugeld war noch nie so günstig. Gibt es dennoch versteckte Fallen, auf die die Verbraucher achten sollten?
Die aktuell besonders preiswerten Darlehen haben einen Haken: Manche übernehmen sich und gönnen sich mehr Immobilie, als sie sich tatsächlich leisten können. Sie vergessen, dass das niedrige Zinsniveau, verbunden mit einem niedrigen Tilgungssatz, zu sehr langen Darlehenslaufzeiten führen kann. Daher ist es besonders wichtig, von Anfang an mit höheren Tilgungssätzen zu kalkulieren und sich auch im Vorfeld mit der Finanzierungslaufzeit zu beschäftigen. Im Regelfall sollte die Finanzierung spätestens zu Beginn des Renteneintritts vollständig zurückgeführt sein. Wird ein Darlehen über 100.000 Euro und einem Zinssatz von 1,40 % beispielsweise mit 1 % getilgt, so beträgt die Restschuld nach 10 Jahren 89.272 Euro und die Laufzeit 62 Jahre und 7 Monate. Erhöht man den Tilgungssatz jedoch auf 5 %, so verringert sich die Restschuld nach 10 Jahren auf 46.364 Euro und die Laufzeit auf 17 Jahre und 8 Monate. Es macht natürlich Sinn, das derzeit niedrige Zinsniveau auszunutzen und die Restschuld möglichst weit zurückzuführen. Das Zinsniveau wird vermutlich nicht dauerhaft so gering bleiben.

Die Zinsen in Deutschland sind schon seit langer Zeit auf einem Rekordtief. Wie sind die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt?

Wer vor sieben Jahren eine Wohnung in guter Lage gekauft hat, kann sich mit großer Wahrscheinlichkeit über einen satten Wertzuwachs freuen. In den vergangenen Jahren zogen die Nachfrage und die Preise deutscher Immobilien deutlich an. Vor allem im Dezember des vergangenen Jahres haben viele Käufer noch einmal zugeschlagen. Hintergrund ist die Erhöhung der Grunderwerbssteuer zum 1. Januar 2015 von 5 % (NRW) bzw. 5,5 % (Saarland) auf 6,5 %. Außerdem ist zu beobachten, dass in Städten und bevölkerungsstarken Gebieten die Preise häufig sehr stark gestiegen sind. Hingegen gab es vor allem in ländlichen Regionen trotz des Immobilienbooms deutliche Preisrückgänge. Laut Bericht der Deutschen Bundesbank sind die Preise für Immobilien in den deutschen Städten 2014 um durchschnittlich 5,25 % gestiegen. Damit ist zum ersten Mal seit langem wieder eine leichte Abschwächung des durchschnittlichen Preisauftriebs festzustellen.


Das ausführliche Interview als Pdf-Datei finden Sie hier.


Das Interview ist im Magazin "Perspektiven" der Bank für Kirche und Diakonie, Ausgabe 1 | 2015, erschienen.