(03.01.2017) Auf Wiedersehen, Frau Badura!

Vorstandsmitglied verabschiedet sich in den Ruhestand

Ein bisschen mulmig war Ulrike Badura schon vor dem Moment, an dem sie ihren Schlüssel abgab und die Bank nicht mehr als Vorstandsmitglied, sondern als Ruheständlerin verließ. Verwunderlich ist das nicht, denn immerhin arbeitete Ulrike Badura über 30 Jahre bei der Bank für Kirche und Diakonie, davon 17 Jahre als Vorstandsmitglied.

Frau Badura, Sie blicken mittlerweile auf beachtliche 32 Jahre bei der Bank für Kirche und Diakonie zurück. Erinnern Sie sich noch, wie alles begann?

Ulrike Badura: Nach Abschluss meines VWL-Studiums arbeitete ich zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Fachbereich Industriesoziologie. Meine Karriere bei der Bank für Kirche und Diakonie (damals noch BKD in Duisburg) begann 1984. Ein Studium hatte damals kaum einer. Das war zu jener Zeit für einen Job in der Bank nicht üblich. Ich hatte also einen Studienabschluss, gleichzeitig aber keine klassische Bankausbildung. Zunächst arbeitete ich als Assistenz der Geschäftsführung für Joachim Hasley, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der BKD. Nachdem ich 1990 die Leitung des Bereichs Organisation und 1992 die Leitung des Bereichs Einlagen | Dienstleistungen übernommen habe, wurde ich 1999 in den Vorstand gewählt. Bis einschließlich 2016 war ich verantwortlich für die Bereiche Betriebswirtschaft, Kreditfolge, Marktfolge Passiv/Wertpapierfolge, Organisation und Zahlungsverkehr/Elektronische Bankdienstleistungen.

Was ist heute im Vergleich zu der Zeit, als Sie mit dem Beruf anfingen, besser geworden?

Der Umgang in der Bankbranche ist heute sehr viel lockerer. Es wird nicht mehr ganz so hierarchisch gedacht – zumindest in den mittelständischen Banken. Das „Du“ ist unter den Führungskräften viel stärker verbreitet als das „Sie“. Heute ist man zudem nachsichtiger geworden, wenn jemand mal einen Fehler macht. Auch gibt es natürlich mehr Frauen als früher.

Geht es nach der EU-Kommission, soll bis 2020 eine Frauenquote von 40 Prozent für Vorstände eingeführt werden.

Für mich sind zwei Sachen entscheidend: Frauen müssen einfach noch besser lernen, ihre Stärken sichtbar zu machen. Dazu müssen sie geschickter und mehr netzwerken. Das haben uns die Männer voraus. Frauen sollten auch wissen, dass es eine ziemlich große Herausforderung ist, eine erfolgreiche Karriere zu machen und gleichzeitig eine Familie mit Kindern zu haben. Dieser Spagat ist allein zeitlich enorm schwer. Allerdings brauchen Frauen, die aufsteigen wollen, auch mehr Fürsprecher. Und in dieser Hinsicht müssen die Männer einfach mehr an sich arbeiten. Ihre Bereitschaft, qualifizierte Frauen zu unterstützen, muss größer werden. Das wäre doch auch nur in ihrem Interesse. Denn es ist ja bekannt: Wer andere fördert und ein gutes Team um sich herum aufbaut, profitiert selbst am meisten davon.

Wenn Sie auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicken, welche Momente bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?

In der Zeit ist wirklich viel passiert, und der Wandel ist die eigentliche Konstante. Besonders gut erinnere ich mich an die Fusion im Jahr 2003 zwischen der BKD und ihrer Schwestergenossenschaft, der Evangelischen Darlehns-Genossenschaft in Münster (DGM). Dabei habe ich festgestellt, wie unterschiedlich Unternehmenskulturen sein können und wie entscheidend es für den Erfolg einer Fusion ist, diese zusammenzuführen.

Worauf freuen Sie sich angesichts Ihres Ruhestands und was werden Sie hingegen vermissen?

Zum einen bin ich gespannt auf den neuen Lebensabschnitt. Es ist lange her, dass ich über meine Zeit frei bestimmen konnte. Ich kann mir dennoch gut vorstellen, dass der Ruhestand zunächst einmal eine Umstellung für mich sein wird. Besonders freue ich mich auf Kino- und Theaterbesuche, mich wieder auf die Gartenarbeit zu stürzen, neue Sprachen zu lernen oder auswärtige Freunde zu besuchen. Eins steht fest: Langweilig wird mir bestimmt nicht! Natürlich verlasse ich die Bank für Kirche und Diakonie, die mich einen Großteil meines Lebens begleitet hat, auch mit einem weinenden Auge. So werde ich die Menschen, mit denen ich jahrzehntelang tagtäglich an einem gemeinsamen Ziel zusammengearbeitet habe, sehr vermissen. Besonders meiner Kollegin und meinen Kollegen aus dem Vorstand danke ich für die gute Zusammenarbeit.  

Wer übernimmt Ihre Aufgaben?

Unser Aufsichtsrat hat zum 1. Januar 2016 Dagmar Klüter zur Generalbevollmächtigten der Bank bestellt. Ich freue mich über diese Entscheidung. Dagmar Klüter ist seit über 25 Jahren in der Bank für Kirche und Diakonie tätig. Davon arbeite ich seit 17 Jahren mit ihr zusammen.
Sie übernimmt geschäftsführend die Bereiche Betriebswirtschaft, Kreditfolge, Marktfolge Passiv/Wertpapiere, Organisation und Zahlungsverkehr/Elektronische Bankdienstleistungen. Im Vorstand übernimmt Dr. Ekkehard Thiesler die Verantwortung für die Bereiche.