Verwaltungsamt des Kirchenkreises Iserlohn und des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg

Piloten aus dem Sauerland

Nein, hier geht es nicht ums Fliegen, der Sauerländer an sich liebt es eher bodenständig. „Pilot“ ist das Verwaltungsamt der Evangelischen Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg dennoch. Sei es beim Thema Solarenergie, beim Abbau von Barrieren, beim Neuen Kirchlichen Finanzwesen oder beim Aktiven Wertpapierbesitz: Die Menschen im Sauerland zeigen sich flexibler als so mancher denken mag und gehen gern voran.

Beispiel 1: Barrierefreier Kirchenkreis
Der Evangelische Kirchenkreis Iserlohn hat die Vision „Schwellen abbauen – Zugänge ermöglichen“ für sich entwickelt. Zu diesem Zweck initiierte Superintendentin Martina Espelöer die bis zum Reformationsjahr 2017 vorgesehene Kampagne „Barrierefreier Kirchenkreis“. Sie will Schwellen abbauen und barrierefreie Zugänge ermöglichen: für Menschen mit Beeinträchtigungen, für Menschen, die in den Gemeinden alt geworden sind und auch für Menschen, denen die Kirche fremd geworden ist. Hierbei geht es nicht nur um bauliche Barrieren, die durch den Einbau von Rampen oder Aufzügen überwunden werden sollen, sondern auch um Barrieren im Kopf. Die Finanzierung sozialer Dienste und der Fachberatung zur Inklusion in Kindertagesstätten soll helfen, auch diese Schwellen abzubauen. Die Kirchengemeinden des Kirchenkreises können sich ganz unbürokratisch um die finanzielle Unterstützung bewerben.

Joachim Steuer, Hauptgeschäftsführer des Verwaltungsamtes des Kirchen-kreises Iserlohn und des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg

Beispiel 2: Neues Kirchliches Finanzwesen
Als zweitgrößtes Verwaltungsamt in der Evangelischen Kirche von Westfalen mischen die Sauerländer auch in Sachen NKF ganz vorne mit. Bis Ende 2013 läuft die Pilotphase in beiden Kirchenkreisen. „Beim Neuen Kirchlichen Finanzwesen geht es nicht nur darum, die Buchführung umzustellen. Es ist eine neue Denkweise, die Finanzen der Kirche stärker unternehmerisch zu planen. Hiervon ist nicht nur die Verwaltung betroffen. Auch Pfarrer beispielsweise und die vielen Ehrenamtlichen müssen die Ziele verstehen und die Regeln kennenlernen, nach denen die Mittel möglichst effektiv eingesetzt werden“, berichtet Joachim Steuer über die Erfahrungen, die die Kirchenkreise als „Piloten“ machen.

Beispiel 3: Solarenergie
Dächer voller Sonnenkollektoren sind heute gang und gäbe. Ende der 1990er-Jahre sah dies noch anders aus, die Technik steckte in den Kinderschuhen, erste Pioniere nutzten die alternative Kraft. Die Verwaltung in Iserlohn erkannte die Potzenziale und vergab bereits 2003 Gelder für die Errichtung von Solaranlagen an die Kirchengemeinden. „Die öffentliche Förderung war sehr attraktiv, gleichzeitig konnten wir unserem Ziel, die Schöpfung zu bewahren, ein Stück näher kommen. Da haben wir uns für die neuen Technologien entschieden“, erläutert Joachim Steuer den frühzeitigen Entschluss für die Sonnenkraft. „Die Gemeinden des Kirchenkreises konnten sich um die Mittel bewerben.“ Das haben diese rege getan, 21 Anlagen mit insgesamt rund 165 kWp Leistung sind es inzwischen. Die erzeugte Jahresmenge von 150.000 kWh kann rund 13 Gemeindezentren mit Kirche und Kindergarten für ein Jahr mit Strom versorgen!


Beispiel 4: Aktiver Wertpapierbesitz
Seit 2011 bietet die Bank für Kirche und Diakonie eine neue Plattform für aktive Wertpapierbesitzer. Kirchliche und diakonische Investoren können ihre Stimmen aus ihren Unternehmensbeteiligungen über die Bank bündeln und so Einfluss auf Unternehmen ausüben. Auch die Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg sind von Anfang an dabei. „Uns ist es wichtig, nicht nur hier vor Ort verantwortungsbewusst zu agieren. Wir betrachten die Folgen unseres Handelns ganzheitlich, dabei schließen wir auch unsere Geldanlagen ein. Die Plattform der Bank für Kirche und Diakonie nutzen wir, um gemeinsam mit anderen stark zu sein und Themen platzieren zu können“, begründet Joachim Steuer die Entscheidung für das Thema Engagement.