Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Kirchliche Banken sind Vorbilder

Seit vielen Jahren sind die Bank für Kirche und Diakonie und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz partnerschaftlich verbunden. In Berlin trafen wir Bischof Dr. Markus Dröge zum Gespräch über den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld.

Wie sind die Finanzen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz aufgestellt?

Bischof Dr. Markus Dröge, geistlicher Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz

Bischof Dr. Markus Dröge: Die gute Nachricht ist: Unsere Kirche hat 2014 noch einmal Mehreinnahmen bei der Kirchensteuer zu verzeichnen. Das ist erfreulich. In Berlin und Brandenburg hatten wir gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 6,69 %. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Kosten ansteigen. Vor allem die Personalausgaben steigen, und zwar stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Das bedeutet, dass wir real also doch nur von einer geringen Steigerung reden können. Uns ist wichtig: Was wir an Mehreinnahmen haben, kommt den
Menschen zugute. Die Mehreinnahmen werden auf die Gemeinden, die Kirchenkreise und die Landeskirche verteilt. Der Anteil, der auf die Landeskirche entfällt, wird zur Abdeckung zukünftiger Versorgungslasten verwendet. Wir wollen die unerwartet guten Jahre nutzen, damit die kommenden Generationen nicht zu sehr durch zukünftige Pensionskosten der jetzigen Pfarrerinnen und Pfarrer belastet werden. Wir wollen dafür vorsorgen, dass unsere Nachkommen auch in mageren Jahren handlungsfähig bleiben.

Wofür braucht die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz das Geld ihrer Mitglieder?

Das Geld fließt in unsere seelsorgliche und soziale Arbeit. Es kommt unseren Mitgliedern und allen Menschen zugute, die unsere Angebote annehmen. Die Kirche gibt die christliche Botschaft von Gottes Liebe zu den Menschen und zu seiner Schöpfung in Wort und Tat weiter. Wir glauben, dass wir Anteil haben am Wirken Gottes in der Welt, mit unserem Engagement, unseren Gebeten und Gaben, auch mit unserem Geld. Finanziell bedeutet das konkret: Ein Kirchenmitglied, das 100 Euro Kirchensteuer zahlt, unterstützt mit etwa 68 Euro direkt die Aktivitäten der Kirchengemeinden vor Ort und die Diakonie, also die Gottesdienste, das gemeindliche Leben, aber auch den Dienst an Kranken oder das Engagement der Kirchen an sozialen Brennpunkten. Nur etwa 13 Euro werden für die Verwaltung und für Versicherungen ausgegeben. Sechs Euro werden zum Erhalt und zur Sanierung von Kirchen eingesetzt. Mit zwölf Euro unterstützt sie oder er den Religionsunterricht
und die vielfältigen Bildungsprojekte, die Arbeit mit Jugendlichen, die Gefängnisund Krankenhausseelsorge. Und ein Euro fließt in das weltweite Engagement unserer Kirche.

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ - das bekannte Jesuswort sagt einiges aus über das Verhältnis von Geld und Gott. Wie stehen Sie dazu?

Das Wort aus Matthäus 6,24 mahnt zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Geld gehört zu der Welt, in der wir leben, dazu. Finanzverkehr und die Verwaltung von Finanzvermögen erleichtern das gesellschaftliche Zusammenleben. Aber das geht aus christlicher Sicht nicht ohne den ethischen Diskurs. Wir müssen weise mit dem, was wir haben, umgehen und klug investieren. Es geht nicht um die Frage, ob Umgang mit Geld verantwortbar ist, sondern wie Umgang mit Geld ethisch verantwortet werden kann. Geld kann ein Segen sein, wenn wir es sinnvoll einsetzen. Insofern ist es schlicht ein Mittel zum Zweck. Wir machen uns die Finanzen zunutze, aber wir hängen unser Herz nicht daran. Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Mammon“. Es kommt aus dem Aramäischen und heißt „Vermögen, Besitz“ und auch „das, worauf man sich verlässt“. Dem Mammon nicht zu dienen, heißt also: sich nicht im Letzten auf das Geld zu verlassen. Investitionen sollten dem Wohl der Gemeinschaft dienen, Beziehungen stiften und sie fördern, nicht die Gier des Einzelnen stillen. Das Gleichnis vom unehrlichen Verwalter im Lukas-Evangelium endet mit dem Aufruf „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.“ Das ist kein Aufruf, Unrecht zu tun. Es ist die Mahnung, angesichts der Bedingungen, unter denen wir leben, klug zu handeln, damit wir langfristig Gutes hervorbringen. Dazu gehören auch das Geld, das Haushalten und das Erwirtschaften. Aber es muss eben in den Grenzen des ethisch Verantwortbaren geschehen. Bei Investitionen muss diese Frage immer wieder neu gestellt und abgewogen werden:
Was dient langfristig dem Gemeinwohl, das heißt, dem Beziehungsgeflecht, in dem wir leben? Es geht um die Frage, was dem Leben dient.